ADHS: Wenn Kinder nicht mehr zu bremsen sind
Hyperaktivität, Ungeduld, Konzentrationsschwäche – all das sind Anzeichen für ADHS. Doch diese Diagnose ist kein Schicksal.
Fünf Prozent der Schulkinder sind von ADHS betroffen.
„Zappelphilipp-Syndrom“ wird es umgangssprachlich genannt. Doch so harmlos das auch klingt, es sind Schätzungen zufolge bereits fünf Prozent der Schulkinder betroffen – Buben dreimal häufiger als Mädchen.
Anzeichen für ADHS
Ist Ihr Kind oft verträumt und unkonzentriert? Gleichen Wohnung und Schultasche stets einem Schlachtfeld und startet jeder Morgen turbulent und chaotisch? Werden Hausaufgaben zur stundenlangen Qual? All das sind Anzeichen für die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS).
Betroffene Kinder sind in der Schule laut und für LehrerInnen anstrengend, lösen Aufgaben langsam und unsystematisch, sind leicht ablenkbar und vertragen keine Routine. Nicht jedes hyperaktive Kind zappelt ständig, aber alle Kinder mit ADHS fallen aus dem Rahmen – sowohl im Kindergarten, in der Schule oder zu Hause.
Ursachen nicht ganz erforscht
Woher die Störung kommt, ist noch nicht vollständig geklärt. „Wir wissen aber, dass die Gene mitspielen“, weiß Brigitte Hackenberg von der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde am AKH Wien. Immerhin ist bei jedem dritten ADHS-Kind auch zumindest ein Elternteil betroffen. Die Erziehung ist nicht schuld!
Bei Verdacht auf ADHS sollte man unbedingt zur Untersuchung. Dabei werden psychologische Tests gemacht und Erfahrungen des Umfelds (KindergartenpädagogInnen, LehrerInnen, ErzieherInnen) eingeholt.
Wichtig: Es gibt kaum eine Schulklasse ohne „Zappelphilipp“. Aber nicht jedes quirlige Kind hat automatisch ADHS. Wichtig ist deshalb eine genaue Diagnose von einer erfahrenen Kinderärztin bzw. einem Kinderarzt oder einer/einem PsychiaterIn.
Behandlung ist wichtig
Spezielle Nahrungsergänzungsmittel beruhigen die Nervenzellen – und damit auch das Kind. In schweren Fällen werden Medikamente verschrieben. ADHS ist übrigens eine Erkrankung, die sich manchmal „auswächst“. Bei rund einem Drittel der Kinder verschwinden die Symptome mit den Jahren. Der Rest jedoch behält das Syndrom ein Leben lang. Allerdings verändert sich das Erscheinungsbild. In der Pubertät verliert sich die überschießende Motorik, stattdessen treten Schusseligkeit, Vergesslichkeit und Unorganisiertheit auf.
Mögliche Folgen sind geringe Chancen in der Arbeitswelt, Schwierigkeiten beim Aufbau von Beziehungen, eine sechsfach erhöhte Unfallgefahr sowie psychische Erkrankungen wie Depressionen.