Clubtelefon
01/277 55 22
Montag bis Sonntag von
9.00 bis 19 Uhr
Von der Uhrmacherin zur Theaterleiterin
Kinder & Co traf die Gründerin des Figurentheaters Lilarum, Traude Kossatz, zum Gespräch.

Kinder & Co: Was ist das Besondere am Figurentheater Lilarum?
Traude Kossatz: Es ist gezielt und speziell ein Theater für Kinder. Sowohl die Räumlichkeiten als auch die Auswahl der Stücke werden für Kinder ab drei Jahren bewusst gestaltet und inszeniert. Räumlich ist es eben so, dass wir kein Theater für Erwachsene sind, in das auch ab und zu Kinder hineindürfen.
Im Vordergrund stehen natürlich die Puppen, die durch ihre Direktheit eine intensive Wirkung haben. Es steckt kein Erwachsener dahinter, der so tut, als wäre er eine Maus. Puppen sind kleiner als das Kind und daher nicht bedrohlich. Sie führen die Kinder in eine Welt, der sie gefühlsmäßig und ihrem Alter entsprechend folgen können. Das gelingt im Figurentheater meist besser als im Sprechtheater.
Und warum ist es genauso für Erwachsene ein Anziehungspunkt?
Weil das der Reiz des Figurentheaters an sich ist! Durch seine Abstraktion und die Reduktion der Figuren und des Bühnenbildes wird auch die Fantasie der Erwachsenen angeregt. Selbst Stücke für Dreijährige ziehen die Großen in ihren Bann. Dagegen können sich die wenigsten erwehren und wollen es meist auch nicht!
Außerdem leihen bekannte Persönlichkeiten aus Film, Kabarett und Theater den Figuren ihre Stimmen. Das ist natürlich besonders für Erwachsene attraktiv, zu hören, wie ein Gerald Votava als Fischerjunge klingt, der sich in eine Nixe verliebt. Und nicht zuletzt wollen Eltern, Großeltern und ErzieherInnen den Kindern Qualität und Verlässlichkeit bieten. Im Lilarum sind sie mit diesem Anliegen bestens aufgehoben!
Ab welchem Alter können Kinder einem Stück folgen?
Kinder sind keine passiven Kunstgenießer. Es geht im Kindertheater nicht nur um das bloße Folgen einer Handlung. Kinder in „unserer“ Altersklasse sehen sich selbst in den Figuren, stellen sich selbst in die Situation ihrer Heldinnen und Helden und lachen, leiden und handeln in ihrer bildhaften Vorstellung mit den Figuren zusammen. Sie kennen noch keinen Unterschied zwischen dem Spiel auf der Bühne und der Wirklichkeit.
Darum sind wir auch besonders sensibel bei der Auswahl der Stücke, weil die Verletzbarkeit in dieser Altersgruppe sehr groß ist.
Allgemein kann man wohl sagen, dass Handlung und Thema der Stücke für das Kind nachvollziehbar sein sollten. Und dass man sich als Erwachsener dessen bewusst sein sollte, dass Kinder gerade in unserem Theater oft erstmals mit einer Situation konfrontiert sind, die sie noch nicht kennen. Der Zuschauerraum, das Öffnen des Bühnenvorhangs mit dem Blick auf die Bühne und das Erlebnis einer Vorstellung gemeinsam mit fremden Kindern und Erwachsenen. Das spielt eine gewichtige Rolle, wenn es um die Altersempfehlung geht!
Was unterscheidet eine Aufführung für Dreijährige von einer für ältere Mädchen und Buben?
Ältere Kinder erkennen den Unterschied zwischen Fiktion und Realität.
Das erhöht für sie die Bedeutung der Handlung und lässt auch komplexere Themen und eine längere Spieldauer der Stücke zu, da die Aufnahmefähigkeit mit zunehmendem Alter steigt.
Wer entscheidet, welche Stücke es auf die Bühne schaffen?
Die Auswahl der Stücke treffe ich mit meinem Team. Entscheidend ist der inhaltliche Aspekt für die vorgesehene Altersgruppe. Wir suchen dabei die Zusammenarbeit mit (Kinderbuch-)AutorenInnen und KomponistInnenn, da uns die sprachliche und die musikalische Qualität sehr wichtig sind. Die Geschichte sollte dem Figurentheater die Möglichkeiten geben, seine Einmaligkeit zu zeigen, und Figuren und Objekte beinhalten, die am Sprechtheater nur schwer oder gar nicht zu verwirklichen sind.
Was die erzieherischen Aspekte angeht, haben wir einen sehr klaren Standpunkt: Wir sind ein Theater und keine Lehranstalt! Theater beinhaltet so viele neue optische und akustische Erlebnisse für Kinder, die sie lustvoll genießen sollen. Dieses Recht auf Unterhaltung dürfen und wollen wir den Kindern auch nicht nehmen. Die Freude am Theater soll im Lilarum im Mittelpunkt stehen. Allzu erzieherische Inhalte würden diese Freude gänzlich vermiesen!
Das heißt aber nicht, dass unsere Stücke unpädagogisch sind. So legen wir Wert und Aufmerksamkeit auf die Umgangsformen und das soziale Verhalten unserer Figuren. Und die Inhalte sind so abgestimmt, dass Kinder sich darin wiederfinden, sich damit identifizieren können und sie in Bezug zu ihrem Alltag setzen können.
Vom Papier auf die Bühne: Was passiert alles, bevor ein Stück auf die Bühne kommt?
Nach Fertigstellung des Manuskriptes und etlichen Regiebesprechungen wird ein Bühnenbildmodell angefertigt und Skizzen der Puppen werden erstellt. Danach beginnt der Bühnen- und Puppenbau. Gleichzeitig werden passende Musikstücke komponiert und SprecherInnen für die Tonaufnahmen ausgewählt und kontaktiert. Musik und Sprache werden schließlich einige Wochen vor der Premiere aufgenommen und für ein Probeband gemischt.
Mit Probenbeginn geht es für unsere SpielerInnen in eine sehr hektische Zeit. Denn bis auf wenige Tage läuft der normale Spielbetrieb parallel weiter.
Schon Monate vor der Premiere beginnt das Team im Büro mit der Bewerbung und Kommunikation für die Neuproduktion. Premiereneinladungen und Spielpläne werden gestaltet, um das neue Stück bestmöglich zu verkaufen.
Wer entwirft die Puppen, das Bühnenbild und schreibt die Dialoge?
Bei den älteren Stücken habe ich die Puppen und die Bühnenbilder gemacht. Alleine wäre das aber längst nicht mehr machbar. Darum prägt Andrea Gergely als langjährige Mitarbeiterin mit ihren Bühnenbildern und Puppen den Stil des Hauses mit. Sie hat auch für das neue Stück jetzt im September rund um die Nixe Undinchen Puppen und Bühnenbild entworfen und gebaut.
Für die Texte arbeiten wir mit vielen AutorenInnen zusammen: Friedl Hofbauer, Erwin Moser oder etwa Ernst Molden. Wir haben aber auch einige Stücke selbst verfasst beziehungsweise Buchvorlagen dramatisiert.
Die Musik kommt von unterschiedlichen KomponistInnen und wird für jedes Stück exklusiv komponiert. Da verbuchen wir Namen wie Fritz Keil, Otto Lechner, Die Strottern, Ernst Molden oder Franz Hautzinger auf unserer Seite.
Welche Technik steckt hinter den Puppen und der Bühne?
Art, Aussehen und technische Möglichkeiten der Puppe hängen von der Rolle ab, die sie im Stück spielt. Wir verwenden verschiedene Puppentechniken:
Bei Stabpuppen läuft der Führungsstab durch den Körper der Puppe und meist sind auch Hand und Kopf durch Stäbe beweglich. Bei der Handpuppe steckt die Hand im Körper der Puppe. Ferner haben wir Flachpuppen im Repertoire und ein paar Maskenfiguren, in denen dann ein/e SpielerIn drinnensteckt. Die anderen Puppen werden von unten geführt. Dabei sind die SpielerInnen für das Publikum nicht sichtbar. Denn der Bühnenausschnitt unserer Guckkastenbühne beginnt erst auf einer Höhe von ca. 1,80 Meter.
Der Kern der Puppe ist meist Schaumstoff. Mit Messer und Schere werden Kopf, Körper, Arme und Beine exakt geformt. Anschließend wird die Form mit einer Stoffschicht überzogen, damit die Puppe auch nach hundert Vorstellungen nicht aus den Nähten platzt. Darüber wird das Kostüm genäht.
Die Kulissen sind aus bemaltem oder mit Stoff überzogenem Karton. Auf speziellen Kulissenwägen werden sie von den SpielerInnen während der Vorstellung über die Bühne geführt. In jeder Vorstellung sind fünf SpielerInnen am Werk, die alle Hände voll zu tun haben.
Welche Angebote gibt es konkret im Lilarum?
In jährlich über 350 Vorstellungen zeigen wir Figurenspiele für Kinder ab drei Jahren. Vormittags für Kindergärten, Tagesmütter und Schulen, nachmittags für Familien oder Privatpersonen. Circa zweimal im Monat gibt es Workshops im Anschluss an die Vorstellungen. Das Angebot reicht von Gebärdensprache bis Musikwerkstatt. Die Teilnahme an diesen Workshops ist bei Vorstellungsbesuch kostenlos.
Sie sind heute künstlerische Leiterin des Lilarum, waren einst Uhrmacherin in Ottakring. Wie kam das?
Mich hat die Schauspielerei, das Theater schon als Kind interessiert. Aber meine Eltern fanden den Schauspieler-Beruf unseriös. Ich war oft heimlich im Burgtheater, offiziell in der Tanzschule vis-à-vis. Ich musste aber einen „ordentlichen“ Beruf erlernen und so wurde ich Uhrmacherin.
Später haben mich auch Malerei und Bildhauerei sehr interessiert und so kam im nächsten Schritt die Verbindung von Bewegung und Skulptur. Da half mir das Uhrmacherinnen-Wissen sehr. Vor allem das Verarbeiten und Bearbeiten verschiedener Materialien habe ich damals gelernt. Feilen, löten, gießen und schweißen ist auch beim Puppenbau notwendig. Theaterpuppen stehen ja nicht im Schaukasten. Sie sind ständig in Bewegung und dürfen auch nach der hundertsten Vorstellung nicht den Kopf verlieren.
Welche Höhepunkte konnte das Lilarum in seiner Geschichte feiern? Seit wann gibt es das Theater?
Ich habe das Theater 1980 gegründet. Wir fingen als Wanderbühne an, wurden dann aber schon bald in einer kleinen Kellerbühne in Hietzing sesshaft. Die Verhältnisse waren sehr beengt, den Umzug in das große Haus im dritten Bezirk im Jahr 1997 kann man sicher als Höhepunkt bezeichnen. Sehr toll für uns war auch die Ausstellung im Theatermuseum, die dort 2009 stattfand. Natürlich haben sich mit der Zeit auch einige Auszeichnungen angesammelt, aber eigentlich ist jede Premiere, ob Neuproduktion oder Wiederaufnahme, für mich weitaus mehr Höhepunkt als all das!
Willkommen im Club
Bildergalerien

Öffi-Sicherheitstraining
Kinder lernen bei einem Workshop das richtige Verhalten in der U-Bahn.

Basteltipps für Ostern
Selbst gemacht: So leicht und schnell kannst du ein Osterküken basteln!

Kleine Yogis
Yoga für den Nachwuchs: Kinder & Co hat einen Kurs in der VHS besucht.

Kindergarten Stadtpark
Einblicke in den modernen Neubau von Architekt Martin Kohlbauer.

Frühlingsblumen
Von Schneeglöckchen bis Krokus: Welche Blumen man auf der Wiese findet.

Bewegung macht Spaß
Wiens Kindergärten unterstützen das Bedürfnis nach Bewegung.
Videos

Wiener Parkbetreuung
Spielen, sporteln und reden wird bei der Parkbetreuung groß geschrieben.

MQ SommerÖffnung
Langeweile hat im Museumsquartier Pause. Der Sommer kann kommen!

Kinderballett
Mit viel Freude lernen Kinder in der Tanzschule Casomai die hohe Tanzkunst.

Donau-Auen
Viel Wissenswertes für Groß und Klein im nationalparkhaus wien-lobAU.

10 Jahre Hauptbücherei!
Zehn Jahre Bildung, Kultur und Kommunikation für alle Menschen der Stadt.

Radparade 2013
Bei der Radparade konnten PedalritterInnen rund um den Ring radeln.





