Festessen für Gelsen & Co
Wenn wir im Sommer grillen oder in der Abenddämmerung spazieren gehen, bereiten wir Insekten ein wahres Festessen. Aber auch Wespen und Bienen sind im Sommer gefährlich. Wie man sich wehren kann was im Notfall zu tun ist, weiß Schularzt Martin Kraft.
Sommerzeit ist Insektenzeit!
Kinder & Co: Welche Insektenstiche können für Kinder gefährlich werden?
Martin Kraft: Vor allem Insekten mit Giftstachel wie Bienen, Wespen, Hummeln oder Hornissen können gefährlich sein. Wenn man panisch reagiert, fühlen sich die Tiere bedroht und stechen zu. Gelsen sind nur dann eine Gefahr, wenn jemand allergisch ist. Und auch wenn es keine Insekten, sondern Spinnentiere sind: Zecken sind natürlich im Sommer eine große Gefahr. Ein Weibchen kann bis zu 100 Eier legen. Eine Impfung ist unbedingt nötig. Alle diese Tiere können auch Krankheiten wie Borreliose übertragen.
Wie kann man Stichen vorbeugen?
Insekten reagieren auf Körpergeruch und Schweiß. Der Mythos vom „süßen Blut“ lässt sich wissenschaftlich nicht beweisen. Im Sommer sollte man fruchtige Körperpflegeprodukte vermeiden und sich hell kleiden. Insekten haben Angst vor Austrocknung und halten sich deshalb nicht gern in der Sonne auf. Wer die Dämmerung meidet, der wird kaum gestochen. Ich halte nicht viel von Körpersprays gegen Insekten, da sie Nebenwirkungen haben. Besser lange Ärmel tragen. Außerdem sollte man sich nicht in der Nähe von Fallobst aufhalten, da sind klarerweise Wespen nicht weit. Blühende Wiesen ziehen Bienen an. Im Freien sollte man keine Getränke direkt aus Dosen oder Flaschen trinken, um kein Insekt zu verschlucken. Der Stich im Hals ist besonders gefährlich. Im Schlafzimmer helfen Insektengitter. Gelsenstecker sind für Erwachsene kein Problem, bei Kindern können sie zu trockenen Schleimhäuten führen.
Welche Maßnahmen sind zu treffen, wenn ein Kind gestochen worden ist?
Wenn das Kind nicht allergisch reagiert, den Stich kühlen und eventuell ein Antihistamin-Gel auftragen. Nicht kratzen, der Stich kann sich sonst entzünden. Bemerkt man, dass das Kind einen anaphylaktischen Schock bekommt – der zeigt sich durch Atemprobleme, schnellen Herzschlag, starke Schwellung, Schwindel, Ohnmacht –, zählt jede Sekunde. Sofort die Rettung rufen! Dann die Füße hoch lagern und den Körper zudecken. Wer von der Allergie weiß, hat normalerweise immer eine Adrenalin-Injektion dabei.
Sollte man testen lassen, ob das Kind allergisch ist?
Das ist grundsätzlich nicht nötig. Nur wenn das Kind bei Insektenstichen eine starke Reaktion zeigt, sollte man das von einer Ärztin oder einem Arzt abklären lassen. Einen anaphylaktischen Schock bekommt man nicht beim ersten Stich, sondern erst bei wiederholtem Stechen.
Was sollte in der Hausapotheke nicht fehlen?
Wenn das Kind stärker reagiert, ist ein Antihistamin-Gel sinnvoll. Ein leichtes Schmerzmittel kann auch helfen. An Hausmitteln sind kalte Umschläge, Zwiebel auflegen oder Essigwasser zu empfehlen. Wer weiß, dass eine Allergie vorliegt, sollte immer eine Adrenalin-Injektion dabei haben. Verändert sich der Stich, wird er größer, bildet sich ein Ring herum oder Ähnliches, sollte man wegen Borreliose-Verdachts zu einer Ärztin oder einem Arzt gehen.