„Spaß am Sprechen und am Lernen von Sprache haben“
Die Leiter des Projekts Forschungskindergarten, Rudolf de Cillia (Sprachwissenschafter) und Wilfried Datler (Bildungswissenschafter), über ihre Methoden, ihre Ziele und die Bedeutung von Mehrsprachigkeit.
Kinder & Co: Welche Rolle spielt Mehrsprachigkeit im Projekt Forschungskindergarten?
Rudolf de Cillia: Eine große. In vielen Studien wurde schon belegt, dass Kinder besser eine Zweitsprache lernen, wenn sie in ihrer Erstsprache sattelfest sind. Trotzdem passiert es immer wieder, dass Kinder meinen, ihre Erstsprache verdrängen zu müssen, um besser Deutsch zu lernen.
Wie kann man sich das vorstellen?
Wilfried Datler: Ganz einfach. Ein Kind macht wegen seiner Muttersprache schlechte Erfahrungen, etwa weil es in der Gruppe ausgelacht wird. Oder manchmal glauben die Eltern, dass sie die Erstsprache zurückdrängen müssen, damit das Kind besser Deutsch lernt. Dann kann es passieren, dass das Kind streikt und für längere Zeit gar nicht mehr spricht. Das ist natürlich ganz schlecht für seine Sprachentwicklung.
Was kann man dagegen machen?
Wilfried Datler: In vielen Wiener Kindergärten wird auf Sprachförderung schon sehr geachtet. Uns geht es darum, die Möglichkeiten der Sprachförderung weiterzuentwickeln. Wie kann man vorgehen, damit Kinder Vergnügen am Sprechen und am Lernen von Sprache haben?
Rudolf de Cillia: Das gilt übrigens für Kinder mit nicht deutscher sowie mit deutscher Muttersprache. Denn Sprachschwierigkeiten können sich auch entwickeln, wenn Kinder zu Hause sprachlich wenig Anregungen bekommen oder Sprache in erster Linie als Mittel der Disziplinierung erleben.
Auf welche Aspekte legen Sie in Ihren Untersuchungen besonderen Wert?
Rudolf de Cillia: Auf der einen Seite geht es um die kognitive Ebene. Also: Wie gut können die Kinder mit Sprache umgehen? Was kann man wie verbessern? Auf der anderen Seite geht es um die emotionale Ebene. Haben die Kinder Lust am Reden? Welche Emotionen haben sie gegenüber ihrer Erst- bzw. Zweitsprache?
Wie gehen Sie bei den Forschungen vor?
Wilfried Datler: Wir setzen Fragebögen, Einzelinterviews, Beobachtungen und Videoaufzeichnungen ein. Dabei versuchen wir den Alltag der Kinder möglichst wenig zu stören und suchen die enge Zusammenarbeit mit den Kindergartenpädagoginnen und -pädagogen.
Und die Eltern?
Rudolf de Cillia: Selbstverständlich gehört das ganze Umfeld der Kinder zu unserem Forschungsbereich. Das gilt für die Eltern sowie für die im Kindergarten Tätigen. In unserem Fall sind alle Beteiligten sehr kooperativ und zeigen viel Verständnis für unsere Fragen.
Wann können Sie erste Ergebnisse präsentieren?
Wilfried Datler: Wir sind derzeit noch bei der Datenerhebung. Die sollte im Sommer abgeschlossen sein. Danach werden wir intensiv mit der Auswertung befasst sein. Ich gehe davon aus, dass wir im Herbst erste Ergebnisse präsentieren können.