Musizieren fördert die Beziehung zwischen Eltern und Kind
Die Musik- und Singschule Wien bietet an einigen Standorten auch schon für Babys Kurse an. Musikschulleiter Richard Lammiman erklärt, wie Eltern und Kinder davon profitieren und ab wann es Sinn macht, einem Kind ein Instrument lernen zu lassen.
Kinder & Co: Ab welchem Alter kann man mit einem Kind einen Musikkurs besuchen?
Richard Lammiman: An der Musikschule Landstraße bieten wir Elementares Musizieren für Null- bis Einjährige und Ein- bis Dreijährige an. Im Herbst sind viele Kinder mit einem Alter von etwa vier Monaten eingestiegen, viele besuchen über mehrere Jahre Kurse. In diesem Alter verändern sich die Kinder rasch, es ist schön, ihre (musikalische) Entwicklung mitzuerleben.
Worum geht es beim Elementaren Musizieren? Babys können weder singen noch ein Instrument spielen.
Bei den ganz Kleinen geht es in erster Linie um ein musikalisches Miteinander von Eltern und Kindern. Das Singen oder Tanzen fördert die Beziehung zwischen Eltern und Kind. Wir singen zum Beispiel Lieder, bei denen die Mütter und Väter ihre Babys im Arm halten und schaukeln. Bei den Kleinen ist noch jedes Kind für sich, ab ca. zwei Jahren beginnen sie, sich untereinander auszutauschen. Der Musikunterricht fördert soziales Verhalten, sie beginnen die anderen Kinder wahrzunehmen. Weiters wird das Gehör geschult, die Kinder reagieren auf Töne oder Melodien. Sie erkennen die Lieder wieder, auch wenn sie sie selbst noch nicht singen können. Für Kleinkinder sind Kniereiterlieder bzw. Lieder, die zur Bewegung anregen, sehr geeignet. Dabei wird die Fein- und Grobmotorik gefördert. Ein Beispiel ist das Lied „Was können unsere Hände machen? Sie können tippen, patschen und klatschen.“ Zunächst tippen, klatschen und patschen die Eltern mit den Händen der Kinder, irgendwann machen sie von alleine mit. Viele Kleinkinder beginnen sich zu bewegen, wenn sie Musik hören, sie fangen an zu wippen.
Was ist Ihnen im Kurs wichtig?
Mir ist es wichtig, dass im Kurs eine gute, entspannte Atmosphäre herrscht, in der sich Eltern und Kinder wohl und sicher fühlen. Manche Eltern bekennen sich gleich zu Beginn als nicht musikalisch. Sie haben etwas Scheu davor, laut vor anderen zu singen. Bei den Kursen entwickeln sich aber nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern musikalisch weiter. Es freut mich, wenn die Eltern ihre eigene Musikalität und die Lust am Singen entdecken. Nicht alle, aber viele singen dann auch zuhause mit ihren Kindern. Natürlich will ich durch qualitativen Unterricht die Kinder musikalisch fördern. Wenn ein Kind gefördert wird, kann es sich weiterentwickeln.
Ist jedes Kind musikalisch?
Meiner Meinung nach schon.
Ab welchem Alter kann ein Kind ein Instrument lernen?
Das ist abhängig vom Entwicklungsstand des jeweiligen Kindes. Als Richtlinie würde ich sagen, erste Klasse Volksschule. Das Kind sollte schulreif sein und auch lesen können. Wenn Kinder zu früh beginnen, kann es passieren, dass sie den Unterricht und das Instrument als langweilig empfinden. Der Grund dafür ist, dass sie oft überfordert sind. Kinder, die beispielsweise Gitarre spielen lernen wollen, sollten richtig sitzen können. Im Verlauf des Unterrichts sollte das Instrument leichter werden, nicht schwerer. Grundsätzlich bin ich der Meinung, wenn ein Kind ein Instrument lernt, sollte der Unterricht ernsthaft betrieben werden, auch wenn es „nur“ Spaß machen soll. Wer Probleme dabei hat, das richtige Instrument auszuwählen, dem kann ich unseren Kurs „Instrumentenkarussell“ empfehlen. Dabei können Kinder verschiedene Instrumente auszuprobieren und persönliche Vorlieben und Stärken herauszufinden. In Kleingruppen erhalten Sechs bis Zehnjährige innerhalb des Schuljahres Unterricht auf bis zu fünf verschiedenen Instrumenten.
Mag. Richard Lammiman leitet die Musikschule Landstraße. Er ist Musik- und Instrumentalpädagoge und hat außerdem als Konzertfach Gitarre studiert.