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Spielen ist die Grundlage für Wissen
Sonnja Altrichter leitet die wienXtra-spielebox in der Josefstadt. Die 37-jährige Spiele-Expertin, die Pädagogik und Konfliktmanagement studiert hat, über den Sinn der Spiele und Games und was Eltern dazu wissen sollten.

Kinder & Co: Wie kamen Sie zu den Spielen?
Sonnja Altrichter: Ich habe im Rahmen meiner unterschiedlichen pädagogischen Tätigkeiten regelmäßig festgestellt, dass sich über das Medium Spiel nicht nur viel vermitteln lässt, sondern sich die Menschen, kleine wie große, dabei viel besser kennenlernen. Und dass vor allem beim Spielen viel mehr gelacht wird als bei anderen Methoden. Deswegen sind die Spiele für mich immer mehr zum Lieblingsmedium geworden.
Was gefällt Ihnen an der Spiele-Welt?
Ich selber genieße es sehr, wenn ich mal Zeit habe, in eine Spiele-Szenerie richtig einzutauchen und mich auf die Spielgeschichte und den Spielmechanismus einzulassen. Das Schönste ist aber das Gemeinsame und der intensive Austausch mit anderen.
Was macht Ihnen bei Ihrer Arbeit besonders Spaß?
Zurzeit fällt mir auf, wie viel Spaß die Spielenden miteinander haben und wie viel dabei gelacht wird. Oft ist diese gute Stimmung ansteckend, selbst wenn ich in meinem Büro währenddessen etwas ganz anderes machen muss.
Was ich genauso mag, ist natürlich das tolle, durchdachte, hochwertige und immer wieder auch überraschende Spielematerial: Neue Spiele zu erschließen, ist immer wieder ein tolles Abenteuer!
Warum sollen Kinder Spiele kennenlernen und regelmäßig spielen?
Als Pädagogin bin ich zutiefst fasziniert vom Bildungspotenzial der Spiele. Kinder lernen beim Spielen: Das Spielen, egal welche Art des Spielens, ist daher für Kinder die sinnvollste und fruchtbarste Art zu lernen: vor und auch nach dem Schuleintritt. Durch das Kennenlernen von Spielen bekommen Kinder wertvolle Anregungen und Ideen und können ihre Fähigkeiten erweitern: Mit gut ausgewählten Spielen wird gleichzeitg so viel gelernt! Letztlich bieten gute Spiele wichtige Anlässe für Angeregt-Sein und Neugierig-Sein – das ist die Grundlage für Wissen!
Was müssen Eltern über Spiele wissen?
Im Grunde gäbe es für Eltern natürlich viel über Spielmittelsicherheit und altersadäquates Spielmittelmaterial zu wissen. Bei Gesellschaftsspielen raten wir generell dazu, sie vorher auszuprobieren – dafür bietet die spielebox eine gute Gelegenheit. Wenn ich mir gemeinsam mit meinem Kind ein Spiel anschaue, bevor ich es um teures Geld kaufe, kann ich gut abschätzen, ob es spannend und „schaffbar“ ist und ob wir es gemeinsam auch spielen werden. Denn ein Spiel soll nicht unterfordern, aber auch nicht zu schwer sein, sonst bleibt das Erfolgserlebnis aus. Genauso ist es frustrierend, wenn ein Spiel beispielsweise nur zu dritt spielbar ist, aber zu selten ein dritter Spielpartner für das Gemeinsam-Spielen zu interessieren ist. Da hilft es, sich schon vorab zu überlegen: Welche Art von Spiel ist realisierbar?
Und wie ist das bei Computerspielen, was sollten die Eltern da wissen?
Bei den elektronischen Spielen, also allen Spielarten auf dem Bildschirm, ist schon mehr zu bedenken. Deswegen haben wir Elterntipps zusammengestellt, die wir in Form von Broschüren zur Verfügung stellen (auch online: www.spielebox.at/infosdownloads). Gerade bei Computerspielen brauchen Kinder erwachsene Bezugspersonen, die sich um die gezielte Auswahl der Spiele kümmern. Das bedeutet, dass vor allem die Altersempfehlungen und auch das Können der Kinder einbezogen werden, vor allem beim Auswählen. Denn wenn junge Kinder Spiele für ältere spielen oder solche, die in der Bildsprache und Inhalt für eine andere Zielgruppe gemacht sind, überfordert das die Kinder.
Warum eignen sich elektronische Medien wie Computer- und Konsolenspiele nicht als Babysitter?
Weil die Kinder „im Spiel drinnen“ ganz einfach sehr vieles und Intensives erleben können – und nicht mit all diesen Erlebnissen allein gelassen werden dürfen. So wie ein Tiergarten oder Freibad Erlebnisräume sind, wo Kinder den Austausch mit den Erwachsenen brauchen und suchen, stecken auch in den Games intensive Erfahrungen. Deshalb sind die Erwachsenen so wichtig für die Kinder, als Begleiter und Gesprächspartner für diese „virtuellen“ Medien-Erlebnisse.
Wenn ein Spiel schon gemeinsam erkundet ist, wird es natürlich mit der wachsenden Spielerfahrung bei altersgerechten Spielen auch selbstständige Spielphasen geben. Dann wird man sich über neue Bestmarken und Erfolge unterhalten können.
Wie problematisch ist Gewalt in den Computerspielen?
Gewalt ist ein wichtiges Thema. Kinder sind heute im Alltag und vor allem durch die alltäglichen Medien oft mit Bildern, Berichten und Geschichten über Gewalt konfrontiert. Auch viele Spiele haben Gewaltelemente. Wir empfehlen da, genauer hinzuschauen, besonders bei der Spieleauswahl. Wenn sich ein Kind ein Spiel wünscht, das den erwachsenen Bezugspersonen zu brutal scheint, ist in erster Linie Gespräch angesagt!
Besteht die Gefahr für Computerspielsucht?
Das Zu-viel-Spielen ist vermehrt dort Thema, wo die Alternativen fehlen, hat aber vor allem bei Jugendlichen oft vielfältige Zusammenhänge. Wir empfehlen von Anfang an, auf geregelte Spielkultur zu achten, Vereinbarungen zu treffen und Bildschirmzeit zu beschränken. In jedem Fall sollte zwischen einer spielbegeisterten Vielspielphase und der weit seltener auftretenden Sucht unterschieden werden.
Gibt die wienXtra-spielebox Beratung und Information über Spiele?
Wir informieren gerne und vor allem stellen wir 5.000 Brettspiele zum Ausprobieren bereit. Besucherinnen und Besucher können die Spiele bei uns gegen geringe Gebühr ausleihen und vier Wochen lang daheim spielen. Für Computer- und Konsolenspiele haben wir eigene Workshops für die Kinder, bei denen sie neue Spiele ausprobieren oder auch mal mit anderen Kindern gemeinsame Spieleerfahrung machen können. Sowohl für Brettspiele als auch für Computerspiele bieten wir Infomaterialien an und stehen für den Austausch zur Verfügung, wenn es die Betriebsamkeit erlaubt. Weil wir aber von vielen Eltern vor allem zu den elektronischen Spielen und den Umgang damit gefragt werden, haben wir jetzt Termine für Elternsprechstunden vorbereitet. Da haben wir dann einen geeigneten Rahmen, das Thema zu beleuchten.
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