Interview: Wohlfühlen mit Kneipp
Seit vier Jahren arbeitet der Kindergarten Lippmanngasse nach den Prinzipien von Sebastian Kneipp. Kindergartenleiterin Maria Hammer hatte die Idee dazu.
Kinder & Co: Warum haben Sie die Prinzipien von Sebastian Kneipp in Ihrem Kindergarten umgesetzt?
Maria Hammer: Mir war es wichtig, das Wohlbefinden der uns anvertrauten Kinder noch zu steigern und damit ihre Gesundheit zu erhalten und weiter auszubauen. Bei meinen Überlegungen stieß ich auf das Gesundheitsprogramm von Kneipp.
Was bedeutet Kneipp für Kinder?
Sie sollen von klein auf lernen, achtsam mit ihrem Körper und ihrer Gesundheit umzugehen. Sie sollen wissen, was ihnen gut tut. Das heißt auch, Grenzen, Schwächen, aber auch Fähigkeiten erkennen zu können. Und wir wollen sie sensibel für die Umwelt machen. Das gelingt uns mit den fünf Säulen von Kneipp sehr gut.
Was sind die fünf Säulen?
Die fünf Säulen des deutschen Pfarrers sind Wasser, Bewegung, Kräuter, Lebensordnung und Ernährung. Wasser kommt zur Anwendung bei einem erfrischenden Armbad, wenn unsere Hortkinder zum Beispiel müde und erschöpft aus der Schule kommen. Oder die Kinder bekommen nach der Turnstunde einen Knieguss. Kinder sollen Wasser spüren, das heißt, auch einmal barfuß über eine Tauwiese oder durch Regenlacken laufen.
Wie können die Kinder ihren Bewegungsdrang ausleben?
Wir haben einen 50 Meter langen Gang. Da darf auch einmal gelaufen werden. Oder die Kinder schnappen sich die Laufräder und Rollbretter und düsen den Gang entlang. Außerdem haben wir fixe Turnstunden in der benachbarten Schule und einen großen Garten samt Spielplatz, der auch bei Regen benutzt werden darf. Gesunde Ernährung wird in allen Wiener Kindergärten großgeschrieben.
Was ist das Besondere in Ihrem Haus?
Für Gabelfrühstück und Jause wird von uns selbst eingekauft. Somit kommen Vollkornbrot und -gebäck sowie Obst und Gemüse der Saison auf den Tisch. Verfeinert mit den Kräutern aus unserem eigenen Kräutergarten. Und wir schauen darauf, dass die Kinder viel trinken.
Was passiert mit den Kräutern?
Durch die gemeinsame Pflege des Kräutergartens kommen die Mädchen und Buben in direkten Kontakt mit der Natur. Sie können das Wachsen der Kräuter von Tag zu Tag beobachten. Außerdem lernen die Kinder, Verantwortung zu übernehmen. Denn wenn auf das Gießen vergessen wird, lassen die Pflanzen die Blätter hängen. Die fertigen Kräuter werden vielfältig verwendet: Die Kinder verfeinern damit ihre Jause, machen Gewürzsalz oder Duftsäckchen, kochen Seife, bereiten Kräutertee oder leckere Aufstriche zu.
Fehlt noch die letzte Säule: Lebensordnung. Was steckt dahinter?
Beim Schwerpunkt Lebensordnung geht es um den sorgsamen Umgang mit Ressourcen. Ein Beispiel: Bei uns bastelt jedes Kind in seinem ersten Kindergartenjahr ein Nikolosackerl, eine Laterne für St. Martin und einen Osterkorb aus hochwertigen Materialien. Und diese Sachen sollen die Kinder auch die nächsten Jahre im Kindergarten verwenden und nicht wegwerfen. Lebensordnung bedeutet aber auch, im eigenen Rhythmus zu leben. Die richtige Balance zwischen Leistung und Ruhezeiten zu finden. Wir bieten zum Beispiel Rückzugsmöglichkeiten wie den Ruheraum oder die Kuschelhöhle.