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Kinderkrebsexpertin mit Herz
Dr. Ruth Ladenstein leitet das Koordinierungszentrum für Klinische Studien und Statistik der St. Anna Kinderkrebsforschung und ist als leitende Oberärztin am St. Anna Kinderspital tätig.

Kinder & Co: Warum sind Sie Krebsexpertin geworden?
Dr. Ruth Ladenstein: Da ich die Chance hatte, bereits am Beginn meiner Ausbildungszeit im St. Anna Kinderspital tätig zu werden, bin ich sehr früh mit den Herausforderungen und Chancen der Krebstherapien im Kindesalter konfrontiert worden. Ich habe darin für mich eine sinnvolle berufliche Herausforderung gefunden.
Wie sieht der Arbeitstag einer Krebsexpertin aus?
Der Tag ist von vielfältigen Aufgaben geprägt: Die Versorgung der Patientinnen und Patienten im stationären Bereich, Visitenrunden, Gespräche mit Eltern, Patientinnen und Patienten, Teamführungsaufgaben, Beratungsgespräche für und mit auswärtigen Kliniken, Kolleginnen, Kollegen und Eltern, Kommunikation mit Kolleginnen und Kollegen über aktuelle und künftige Therapiestrategien, Umgang mit Ethikkommissionen und Behörden, Fortbildungsaufgaben und Unterricht von Studentinnen und Stundenten, Organisation von nationalen und internationalen Treffen …
Sie arbeiten täglich mit krebskranken Kindern? Woher schöpfen Sie bei all dem Leid die Kraft dafür?
Kinder sind wunderbare Patientinnen und Patienten, die intuitiv erkennen, dass ihnen geholfen wird. Gemeinsam mit ihren Familien leisten Kinder und Jugendliche mit Krebserkrankungen Enormes im Rahmen der notwendigen Therapien und reifen unglaublich schnell. Sie erwachsen werden zu sehen, gibt Kraft und Hoffnung für jede neue Patientin und für jeden neuen Patienten. Der Einsatz lohnt sich für alle.
Wir alle begreifen durch diese Erfahrungen neu den unersetzlichen Wert von wertvollen Begegnungen und Momenten der Gegenwart. Immer bessere Chancen zu schaffen, im Rahmen unserer ärztlichen Möglichkeiten, um Leben neu zu ermöglichen, ist eine befriedigende Herausforderung.
Wie sehr haben sich die Überlebenschancen für junge Krebspatientinnen und -patienten in den letzten Jahrzehnten verbessert?
Ohne die richtige Behandlung versterben Kinder und Jugendliche mit Krebs nach wenigen Monaten. Vor 40 Jahren überlebten weniger als zehn Prozent der krebskranken Kinder und Jugendlichen, während wir heute in bis zu 80 Prozent der Fälle mit einem Überleben rechnen dürfen. Wir wollen allerdings 90 Prozent und noch mehr in den nächsten fünf Jahren erreichen.
Was ist dafür nötig?
Dafür brauchen wir die Forschung als Basis für neue Therapiemöglichkeiten. Wenn man allerdings Überlebensraten weiter verbessern will, geht es nicht nur um neue Medikamente, sondern auch um das richtige Maß wirksamer Medikamentenkombinationen unter Berücksichtigung von Langzeitwirkungen.
Dafür brauchen wir Studienplattformen, wo risikoangepasste, bestmögliche Therapiestrategien vorgegeben werden, Verläufe erfasst sowie Patientinnen und Patienten nachbeobachtet werden. Von diesem Wissenszuwachs profitieren dann wiederum alle künftigen Patientinnen und Patienten.
Was können Eltern für ihre erkrankten Kinder tun?
Geborgenheit und Nähe schenken und an der Seite der Kinder mit ihnen für ein Überleben kämpfen. Sie sind die Stütze für ihre Kinder, können Zuversicht und Vertrauen in den therapeutischen Weg vermitteln, auch wenn es viele Hürden zu bewältigen gibt.
Ein psychosoziales Team hilft den Eltern, sich in der neuen Lebenssituation im Rahmen der sich oft über Monate erstreckenden Therapien zurechtzufinden, und unterstützt dadurch auch das Behandlungsteam.
Warum ist es wichtig, dass das St. Anna Kinderspital eine eigene Forschungsabteilung hat?
Die Nähe zu den Patientinnen und Patienten, der enge Kontakt zwischen Forscherinnen und Forschern sowie den behandelnden Ärztinnen und Ärzten schaffen die richtigen Voraussetzungen, um neue, übergreifende Forschungsansätze und Erkenntnisse zu ermöglichen.
Was kann die Forschung beim Kampf gegen Krebs leisten?
Der weitere Fortschritt in der Krebstherapie wird aus dem vertieften Verständnis für die Genetik der Krebserkrankungen des Individuums kommen. Wir suchen Wege, diese individuelle Signatur der jeweiligen Erkrankung mehr und mehr in die therapeutische Entscheidungsfindung mit einzubeziehen. Zudem bauen die neuen Medikamentenklassen auf dem vertieften Verständnis der Signalübertragung innerhalb der Krebszellen auf.
Was erhoffen Sie sich vom neuen Forschungsnetzwerk ENCCA?
Das Forschungsnetzwerk ENCCA ist eine großartige Chance, über eine Anschubfinanzierung der Europäischen Union die Vernetzungen der Behandlungs- und Forschungsnetzwerke in Europa im Bereich der Kinderonkologie in den nächsten vier Jahren zu verbessern.
Wir werden als Akademikerinnen und Akademiker gemeinsam mit Eltern und den Patientinnen und Patienten die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen mit Krebserkrankungen vertreten und versuchen, Behörden, Regulatoren und die pharmazeutische Industrie zu überzeugen, sich vermehrt für die Hoffnung auf verbesserte Überlebenschancen mit weniger Spätfolgen in allen Ebenen einzusetzen.
Das betrifft Bereiche der innovativen Medikamentenentwicklung und Zulassung, der Therapiedurchführung innerhalb sicherer Behandlungskonzepte und Studien, Stärkung der Forschungsplattformen mit Bildung eines virtuellen Forschungsinstitutes in Europa, Fortbildungsaktivitäten und Solidarität zur Überwindung der Unterschiede der Behandlungsqualität in europäischen Ländern.
Wer macht da alles mit?
Mehr als 33 profilierte Universitäten und Forschungsinstitutionen in elf Ländern haben sich hier als Partner zusammengeschlossen, um diese Vernetzung konzeptionell zu führen. 2011 ist ein wichtiges Jahr, um EU-Auflagen zur Durchführung von klinischen Studien für Kinder zu verbessern, um übernationale Kooperationen zu erleichtern. Wir vertreten auch im Europäischen Parlament diese Agenden gemeinsam, um Krebserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen als ein wichtiges europäisches Gesundheitsthema zu verankern.
Wie kann die Bevölkerung Ihre Arbeit und die St. Anna Kinderkrebsforschung unterstützen?
Wir brauchen die Unterstützung der Öffentlichkeit, um diese wichtigen Kinderagenden bewusst zu machen und die Umsetzung und Nachhaltigkeit zu garantieren.
St. Anna Kinderkrebsforschung e.V.
Bank Austria: Bankleitzahl: 12000, Kontonummer: 00656166600
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