Ist mein Kind gesund?
Dr. Martin Kraft, Landesschularzt, Allgemeinmediziner und Arbeitsmediziner, weiß, wie man Kindern Untersuchungen erträglich macht – und was bei einer Vorsorgeuntersuchung auf ein Kind zukommt.
Dr. Martin Kraft, Landesschularzt, Allgemeinmediziner und Arbeitsmediziner.
Kinder & Co: Erwachsene sollten ein Mal pro Jahr zur Gesundenuntersuchung gehen. Wie ist das bei Kindern?
Martin Kraft: Untersuchungen für Babys und Kleinkinder bis zum fünften Lebensjahr sind im Rahmen des Mutter-Kind-Passes vorgeschrieben. Dabei misst die Kinderärztin oder der Kinderarzt das Körpergewicht und die Größe. Außerdem wird beurteilt, ob weitere Untersuchungen nötig sind.
Was steht wann auf dem Programm?
Bis zum 14. Lebensmonat sind fünf Untersuchungstermine vorgeschrieben. In der ersten Lebenswoche: Feststellung von Körpergewicht und Körperlänge, ärztliche Untersuchung des Kindes, Beurteilung der Notwendigkeit weiterer Untersuchungen. In der 4. bis 7. Woche steht zusätzlich eine orthopädische Untersuchung auf dem Programm. Bis zum 5. Monat wird noch einmal kontrolliert. Spätestens im 9. Lebensmonat schaut sich die Ärztin oder der Arzt Hals, Nase und Ohren genau an. Die Augenuntersuchung ist zwischen dem 10. und 14. Lebensmonat dran. Dann folgen Kontrolluntersuchungen im Jahresrhythmus. Dabei achtet man natürlich auch auf die sprachliche Entwicklung, mögliche psychische Probleme und eine normale Entwicklung.
Wenn das Kind schon älter ist?
Ein Mal im Jahr wird das Kind automatisch in der Schule untersucht. Die Schulärztin oder der Schularzt kennt die Kinder meist recht gut, weiß um die sozialen Umstände der Kinder und ihre Gewohnheiten. Wenn das Kind zur Zahnärztin bzw. zum Zahnarzt oder zur Augenärztin bzw. zum Augenarzt muss, überweist sie oder er weiter. Oft ist es auch üblich, für diese Folgeuntersuchungen eine Bestätigung einzuholen. Wenn das Kind bereits Erkrankungen hat oder regelmäßig Medikamente nimmt, sollten Eltern das schriftlich für den Arzttermin zusammenfassen. Das Kind geht da ja im Normalfall alleine hin.
Welche Untersuchungen werden bei Kindern durchgeführt?
Hauptsächlich geht es darum, Erkrankungen bei Kindern rechtzeitig zu erkennen. Das Herz wird genau abgehört, um Herzfehler auszuschließen. Hals, Nase, Augen und Ohren werden kontrolliert und der Harn wird untersucht. Manchmal wird auch eine Blutuntersuchung gemacht. Vor der Spitze haben viele Kinder Angst, manchmal muss es aber trotzdem sein. Auch der Spatel für die Zunge ist Kindern ein Gräuel. Da müssen oft die Eltern helfen und den Kindern gut zureden, damit sie den Mund weit genug aufmachen.
Wie kann man dem Nachwuchs die Angst vor den Untersuchungen nehmen?
Gut ist es, das Kind zum eigenen Arztbesuch mitzunehmen. Es kann dann einfach nur zusehen und die Scheu vor dem Unbekannten verlieren. Wenn es sieht, dass nichts Schlimmes passiert, und dann noch eine kleine Belohnung bekommt, hilft das. Wichtig ist auch, dass die Eltern ruhig bleiben. Kinder spüren Nervosität ganz genau. Vorher ist es außerdem sinnvoll, dem Kind zu erklären, was passiert: Die Untersuchung kann ein bisschen unangenehm sein. Das Gerät, mit dem das Herz abgehört wird, kann vielleicht kalt sein. In dieser Art. Aber bitte keine Horrorszenarien von Spritzen erzählen! Die Ärztin oder der Arzt wird sich für das Kind im Idealfall viel Zeit nehmen. Vor der Untersuchung wird geplaudert und Vertrauen aufgebaut. Aber natürlich kommt es schon auch aufs Naturell des Kindes an, wie es bei Untersuchungen reagiert.