Streitthema Kinderlärm
Wer mit Kindern lebt, weiß, dass es sehr laut werden kann. Was kann man tun, um Konflikte mit NachbarInnen zu vermeiden? Josef Cser, Leiter von wohnpartner, dem Nachbarschafts-Service im Wiener Gemeindebau, gibt Tipps.
Kinder toben gerne und sind oft laut. Was tun um Probleme zu vermeiden?
Kinder & Co: Viele Eltern kennen das: Die Kinder toben durch die Wohnung, die Nachbarinnen und Nachbarn fühlen sich durch den Lärm belästigt. Wie kann man die Situation entschärfen, ohne den Bewegungsdrang der Kinder komplett zu unterbinden?
Josef Cser: Zunächst einmal ist es günstig, mit den Nachbarinnen und Nachbarn einen guten Kontakt zu pflegen – sich vorzustellen, wenn man einzieht und schwierige Situationen zu besprechen. Informationen, wann und vielleicht weshalb „Ruhe“ besonders wichtig ist, können helfen, Konflikte zu entschärfen oder im Vorfeld erst gar nicht entstehen zu lassen. Man kann ja auch vielleicht auf einen Spielplatz ausweichen. Kinder brauchen ohnehin selbst auch ruhige Phasen, in denen sie Brettspiele oder Bücherlesen einem Bewegungsspiel vorziehen. Auch kleine Kinder sollten vermittelt bekommen, dass man in einem Miethaus nicht alleine wohnt. Es gibt Nachbarinnen und Nachbarn und die haben auch Bedürfnisse. Je besser man diese kennt, desto geringer ist das Konfliktpotenzial.
Ab wann spricht man von Lärmbelästigung oder anders gefragt: Welcher Geräuschpegel ist Nachbarinnen und Nachbarn in Bezug auf Kinder zumutbar, Stichwort Babygeschrei in der Nacht?
Lärm ist immer eine subjektive Wahrnehmung und durch gesetzliche Regelungen sind diese Konflikte unserer Erfahrung nach nicht in den Griff zu kriegen. Richtlinie sollte sein: Alle Parteien in einem Haus sollten sich wohlfühlen können und alle Dinge des „normalen“ Lebens, wozu sicherlich auch gehört, dass Babys nachts aufwachen und dann oftmals weinen, sollten stattfinden können.
Manche Häuser sind sehr hellhörig, sodass man gar nicht großartig Krach machen muss, um von den Nachbarinnen und Nachbarn gehört zu werden. Was kann man tun, um den Lärm zu dämmen?
Einfache Maßnahmen, wie Teppiche legen oder Hausschuhe tragen, können oft eine Lösung sein, auch Filzfußerl für Möbel, die oft verrückt werden müssen.
Macht es Sinn, eine Sachverständige oder einen Sachverständigen zu holen, und falls ja, mit welchen Kosten muss man rechnen?
Sachverständige kosten immer viel Geld und wir kennen keinen Fall, wo das eine Lösung brachte.
Im Sommer kann sich die Situation weiter verschärfen. Stichwort offene Fenster, spielende Kinder im Freien. Gibt es eine allgemeine Regelung, ab wann zum Beispiel am Wochenende im Garten oder auf der Terrasse gespielt werden darf?
Auch hier gilt die Devise – wer Rücksicht nimmt, beugt dem Konflikt vor. Es gibt keine andere Lösungsmöglichkeit für Konflikte, als das gemeinsame Gespräch mit den Nachbarinnen und Nachbarn zu suchen und gemeinsame Vereinbarungen treffen. Wenn beide Seiten das Gefühl haben, dass ihre Bedürfnisse ausreichend Platz haben, können Konflikte verhindert werden.
Gilt es auch, eine Mittagsruhe einzuhalten?
Da, wo es Regelungen über die Hausordnung gibt – Kleingartenvereine haben das beispielsweise häufig – ist es sinnvoll, sich daran zu halten. Die Hausordnung ist ja bekannt, wenn man sich entschließt, in einer Wohnung oder einem Kleingarten einzuziehen. Sich daran zu halten, ist Ausdruck eines respekt- und rücksichtsvollen Miteinanders.
Gelten die Regelungen sowohl für private Gärten bzw. Terrassen als auch für allgemein zugängliche Spielplätze im Hof?
Diese Regelungen sind in der Hausordnung nachzulesen, aber auch hier wieder der Hinweis auf Rücksichtnahme und Gespräche.
Wenn der Konflikt mit den Nachbarinnen und Nachbarn durch Reden nicht mehr zu lösen ist: Wohin kann man sich um Unterstützung wenden?
Für Bewohnerinnen und Bewohner des Wiener Gemeindebaus gibt es die Service-Einrichtung wohnpartner – die ehemaligen „Gebietsbetreuungen städtischer Wohnhausanlagen“ wurden mit Beginn diesen Jahres auf Initiative von Wohnbaustadtrat Vizebürgermeister Dr. Michael Ludwig personell und budgetär deutlich aufgestockt. Hier wird Unterstützung und Begleitung in Nachbarschaftskonflikten mit professionellen Methoden wie Mediation angeboten.