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Unterstützung für die Eltern, zum Wohl des Kindes
Die Stadt Wien baut Angebote für Eltern, die mit der Betreuung ihrer Kinder überfordert sind, massiv aus. Neu sind Elterntrainingskurse. Kinder & Co. hat mit der diplomierten Sozialarbeiterin Theres Kunyk gesprochen, die diese Kurse mit entwickelt hat.

Sie arbeiten seit drei Jahren im Eltern-Kind-Zentrum Mollardgasse, früher Ziegelofengasse. Was sind Ihre Aufgaben?
Theres Kunyk: Ich bin halbtagsbeschäftigt und meine Hauptaufgabe ist die Wäschepaketanmeldung. Frauen ab der 20. Schwangerschaftswoche können sich bei uns im Eltern-Kind-Zentrum dafür anmelden. Wenn es gewünscht wird, bieten wir eine ausführliche Beratung. Die Themen sind sehr vielfältig. Dazu gehören postnatale Depressionen im ersten Lebensjahr des Kindes – davon sind immerhin 20 Prozent der Frauen betroffen – und Anlaufstellen, wo die Frauen Hilfe finden.
Weiters erkläre ich den Frauen und natürlich auch ihren Partnern, welche Wege bzw. Formalitäten nach der Geburt zu erledigen sind, welche Angebote wir hier im Eltern-Kind-Zentrum bieten, welche finanziellen Ansprüche wie z. B. Karenzgeld sie haben. Auch offene Fragen zur Geburt und natürlich alles rund ums Baby können besprochen werden.
Seit April bieten die Eltern-Kind-Zentren Elterntrainingskurse an. Wie kam es dazu?
In Wien können immer mehr Eltern nicht ausreichend für ihre Kinder sorgen. Viele sind mit der Betreuung überfordert. Außerdem sind die Zahlen der Gefährdungsabklärungen durch das Jugendamt in den Jahren 2004 bis 2008 stark angestiegen. Regelmäßige Kinderschutzkampagnen der MAG ELF haben die Bevölkerung sensibilisiert. Die Krisenzentren und Plätze in Krisenpflegefamilien sind stark ausgelastet. Die Stadt Wien setzt daher verstärkt auf Präventionsarbeit. Die Familien sollen zu einem Zeitpunkt erreicht werden, wenn ein kleines Problem mit Unterstützung noch gelöst werden kann und die Kinder dadurch in den Familien bleiben können. Eines dieser Präventionsangebote sind die Elterntrainingskurse.
Wer hat die Kurse entwickelt und welches Konzept steckt dahinter?
Die Kurse wurden in Teamarbeit von der Regionalstelle für Soziale Arbeit mit Familien, KollegInnen aus dem Eltern-Kind-Zentrum und mir entwickelt. Ziel ist es, Eltern, die bereits vom Jugendamt betreut werden, bei der Erziehung ihrer Kinder zu unterstützen. Wir haben gemeinsam Themen festgelegt, die an acht Terminen behandelt werden. Dazu gehören Kommunikation mit dem Kind, der Umgang mit Medien, Grenzen setzen, Ernährung usw.
Der Kurs wird von einer Sozialarbeiterin geleitet. Zusätzlich werden zu den jeweiligen Themen Spezialisten geholt, wie zum Beispiel Psychologen oder Sozialpädagogen. Der Kurs ist kein Vortrag, sondern eher eine Art Workshop, bei dem die Themen mit den Eltern gemeinsam erarbeitet werden. Im Juni habe ich den ersten Kurs abgeschlossen, im Herbst leite ich den nächsten.
Wie ist der Kurs verlaufen?
Der Kurs war sehr erfolgreich. Obwohl die Familien nicht freiwillig teilgenommen haben, sondern von der/dem betreuenden SozialarbeiterIn vermittelt wurden, waren sie unglaublich motiviert. Am letzten Kurstag wurde ich sogar gefragt, ob es nicht möglich sei, im Herbst weiterzumachen. Die Familien haben sich in der Gruppe sehr wohl gefühlt. Viele von ihnen haben wenig sozialen Anschluss, also wenig Freunde, kaum Familie. In der Gruppe haben sie den nötigen Halt gefunden. Sie haben sich gegenseitig sehr unterstützt. Mir war auch wichtig, dass viel Zeit zum Erfahrungsaustausch bleibt.
Können Sie Beispiele dafür geben, was im Kurs behandelt wurde?
Ein Thema, das die Eltern sehr interessiert hat, war „Grenzen setzen“. Ziel war es, die erzieherischen Fähigkeiten der Eltern zu fördern. Wir haben besprochen, warum es wichtig ist, Kindern Grenzen zu setzen. In welchen Situationen Grenzen nötig sind und wie ich sie setze. Um das Thema zu veranschaulichen, habe ich den TeilnehmerInnen mit zwei Handpuppen eine Konfliktsituation vorgespielt. Zwei Geschwister streiten, werden laut, beginnen schließlich zu raufen. Wie trenne ich da? Die Eltern haben gelernt, wie man richtig reagiert. Hingehen, die Stimme erheben, klar und eindeutig sprechen, die Kinder dabei anschauen, anfassen, auseinander bringen.
Ein anderes Thema war Kommunikation. Oft wird viel über die Kinder gesprochen, aber wenig mit ihnen. Besser sind Ich-Botschaften. Wenn ein Kind zum Beispiel hoch auf einen Baum klettert, ist es besser zu sagen „Auch wenn du toll kletterst, habe ich Angst um dich, bitte klettere nicht höher“ als „Pass auf, du fällst herunter“. An jedem Termin gab es eine Hausübung. Zum Thema Alltagsstrukturen wurden die Eltern z. B. aufgefordert, ein Abendritual einzuführen. Zum Beispiel ein Gute-Nacht-Lied mit dem Kind singen oder eine Geschichte vorlesen.
Warum sind viele Eltern mit ihren Kindern überfordert?
Viele betroffene Familien haben keinen Rückhalt in ihren eigenen Familien. Es gibt zum Beispiel keine Großeltern, die um Rat gefragt werden können und die die jungen Mütter und Väter entlasten. Oft haben die Eltern keine positiven Erziehungsvorbilder. Sie wurden selbst von ihren Eltern vernachlässigt, die Eltern haben sich keine Zeit genommen, nie mit ihnen gespielt oder sie haben Erfahrungen mit Gewalt gemacht. Weiters kämpfen viele Familien mit existenziellen Problemen und haben sich stark verschuldet. Besonders gefährdet sind Alleinerziehende und Menschen, die ihre Arbeit verloren haben. Auch ein geringer Bildungsstand kann zu Überforderung führen. Die Familien wissen bei Problemen oft nicht, wohin sie sich wenden können und wo sie Information und Unterstützung finden.
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