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Eltern wissen auch nicht alles
Von der Babymassage bis zum konstruktiven Streiten: Die Erziehung von Kindern ist jeden Tag eine neue Herausforderung. Wer sich dabei Unterstützung holen möchte: Die VHS Brigittenau bietet entsprechende Kurse an.

Kinder & Co: Sie sind der Initiator der VHS-Kurse zum Thema Kindererziehung. Was war der Auslöser dafür?
Walter Schuster: Die Volkshochschule Brigittenau verfügt über eine mehr als zehnjährige Erfahrung in pädagogischer Arbeit. Im Rahmen des Instituts für Kindergarten- und Hortpädagogik werden Aus- und Weiterbildungen für Elementarpädagoginnen und -pädagogen durchgeführt. Gleichzeitig finden an der VHS Brigittenau seit Langem sehr erfolgreich Kurse für Kinder statt. Von da her hat es sich hervorragend angeboten, die vorhandenen Kompetenzen auch für Eltern zu öffnen und die bislang einzelnen Elternbildungsangebote, wie zum Beispiel Pikler-Pädagogik, zu einem Schwerpunkt Elternbildung auszubauen.
Früher bekamen werdende Eltern Tipps von den eigenen Eltern, den Großeltern oder von befreundeten Paaren, die bereits Kinder haben. Hat sich in der Beziehung etwas verändert?
Professionelle Elternbildung etwa an der Volkshochschule bietet einen anderen Zugang und andere Möglichkeiten. Tipps und Erfahrungsaustausch in der Familie oder im Bekanntenkreis sind wichtig, können im Alltag entlasten, können aber auch zur Belastung werden und Verunsicherung hervorrufen. Wer kennt sie nicht, die gut gemeinten Ratschläge! Wichtig ist auch zu hinterfragen, welches Bild vom Kind, welche erzieherische Haltung und welcher Erfahrungshintergrund die „Tipps“ prägen. Sind sie angemessen? Sind sie zeitgemäß? Welche Werthaltungen vermitteln sie zum Beispiel in Hinblick auf geschlechtersensible Erziehung?
Geht es in den Kursen eher um theoretische Grundlagen oder gibt es da ganz konkrete Handlungsanleitungen etwa fürs Wickeln, für eine gesunde Essenszubreitung oder fürs Grenzensetzen?
Die Kurse sind sehr praxisorientiert und gleichzeitig auch klar theoriegeleitet. Die Fragen, Anliegen und Probleme, die besprochen werden, kommen aus dem Alltags(er)leben mit Kindern. Der Suche nach Antworten und Lösungen liegt ein theoretisches Verständnis zugrunde. Theoretisches Grundwissen hilft bei der Einschätzung „Was tue ich“ oder „Wieso reagiert mein Kind so“. Bei manchen Themen sind konkrete Handlungsanleitungen sinnvoll und möglich, etwa bei gesunder Ernährung. Bei vielen pädagogischen Themen oder Erziehungsfragen wären „Kochrezepte“ hingegen nicht zielführend. Hier geht es eher darum, den Zugang und das Verständnis für kindliches Erleben und Wahrnehmen zu fördern, um dann situationsadäquate Handlungsmöglichkeiten finden zu können.
In welchen Bereichen gibt es den größten Nachholbedarf?
Die Einflussfaktoren sind so vielfältig, dass es schwierig ist, allgemein gültige Aussagen zu treffen. Auftretende Fragen und Ängste werden zum Beispiel bestimmt durch Alter, Bildungsstand, soziale Milieus, kulturellen Background oder auch das Wohnumfeld. Daraus resultieren sehr unterschiedliche Fragen und Ängste. Durch eine klare Begrenzung der Gruppengrößen und gut ausgebildete Kursleiterinnen und Kursleiter etwa versuchen wir, an den unterschiedlichen Erfahrungen und Bedürfnissen der Eltern anzuknüpfen.
Nach welchen Kriterien wurden die Kurse entwickelt?
Bei unseren Kursen stehen das Kind und die Eltern-Kind-Beziehung im Vordergrund. Es werden sowohl Themen aufgegriffen, die auf die tägliche Erziehungsarbeit von Kindern unterschiedlicher Altersstufen fokussieren, als auch spezifische Fragen wie Hochbegabung oder Babymassage. Ebenso werden Kurse zu spezifischeren pädagogischen Ansätzen wie etwa der Pikler-Kleinkindpädagogik durchgeführt.
Einen sehr umfassenden Zugang ermöglicht der Elternbildungslehrgang „Ich will doch nur das Beste …“ Hier werden Themen wie Entwicklungspsychologie, pädagogische Haltungen, Kindergarten/Schule, der Umgang mit schwierigen Situationen, Spiel und Spielentwicklung, Fitness und Ernährung, Sexualerziehung, Suchtprävention, Gesprächsführung mit Kindern, Medienerziehung oder Kreativitätsförderung behandelt.
Bauen die Kurse aufeinander auf?
Der Lehrgang „Ich will doch nur das Beste …“ ist zwar aufbauend konzipiert, die Module können aber auch einzeln besucht werden. Die anderen Kurse orientieren sich am jeweiligen Thema und können auch einzeln gebucht werden.
Wer hält diese Kurse?
Die Kurse werden von Kursleiterinnen und -leitern mit einer jeweils entsprechenden Fachausbildung und Praxiserfahrung unterrichtet. Viele unterrichten auch bei uns im Rahmen der Berufsausbildung für Pädagoginnen und Pädagogen, sind etwa auch hauptberuflich in pädagogischen Berufen oder Elternberatungen tätig. Wichtig ist uns bei der Auswahl, dass unsere Kursleiterinnen und -leiter auch in der Lage sind, sich auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einzustellen, und auf deren Bedürfnisse und Anliegen eingehen können.
Sind die Kinder in den Kursen mit dabei?
Es gibt Kurse, bei denen die Kinder dabei sind, der Großteil findet für Eltern statt.
Für Eltern nicht unwichtig: Gibt es Kinderbetreuung während der Kurse?
Da Kinderbetreuung nicht nachgefragt wurde, bieten wir derzeit keine begleitende Kinderbetreuung an.
Was kosten die Kurse?
Die Kurspreise hängen von der Dauer und der Gruppengröße ab. Die Preise beginnen bei 5 Euro für Vorträge und liegen bei Kursen zwischen etwa 6 und 10 Euro. Die Teilnahme am Pilotlehrgang zur Elternbildung „Ich will doch nur das Beste …“ sowie an den einzelnen Modulen ist sogar kostenlos. Eine vorherige Anmeldung ist aber unbedingt notwendig.
Mag. Walter Schuster ist Direktor der VHS Brigittenau und Leiter des Instituts für Kindergarten- und Hortpädagogik, Supervisor und Coach, Lehrer, Vater von zwei Kindern.
- Anmeldungen unter Telefon 01/330 41 95,
- E-Mail: anmeldung.vhs20@vhs.at
- www.vhs-brigittenau.at
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